Titanenwurz kurz vor der Blüte
Im Berggarten steht ein seltenes botanisches Ereignis bevor: Zum dritten Mal kommt eine Titanenwurz zur Blüte. Dabei handelt es sich um einen Nachwuchs der von Hand bestäubten Pflanze, die 2014 erstmals im Berggarten geblüht hat. Sie ist im Tropenschauhaus zu sehen und schiebt ihren Blütenstand derzeit täglich um etwa zehn bis 20 Zentimeter in die Höhe.
Titanenwurz blüht bald
Die tropische Pflanze mit dem botanischen Namen Amorphophallus titanum bildet nur alle paar Jahre einen Blütenstand, dafür aber umso eindrucksvoller: Die größte Blume der Welt wird bis zu drei Meter hoch. Bemerkenswert ist nicht nur die enorme Größe des Blütenstands – am ersten Tag verströmt er einen starken Aasgeruch, um Bestäuberinsekten anzulocken. Allerdings ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer. Der Blütenstand beginnt schon am zweiten Tag zu welken.
Noch ist ungewiss, wann sich der gigantische Blütenstand im Berggarten öffnen wird und wie groß er dann sein wird. Die Knospe wird täglich gemessen – am 24. Juni ragte sie schon 122 Zentimeter in die Höhe. Ihre Vorgängerin hatte 2021 insgesamt eine Höhe von 200 Zentimeter erreicht. Anlässlich des Aufblühens ist eine Sonderöffnung des Berggartens bis 23 Uhr in Vorbereitung.
Hintergrundinformationen zur Titanenwurz
Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum, engl. Titan Arum)
Die auf Sumatra heimische Titanenwurz gehört zu den Aronstabgewächsen (Araceae), zu denen auch unser einheimischer Aronstab gehört. Die Gattung Amorphophallus umfasst circa 200 Arten aus den Tropen Afrikas, Asiens und Australiens. Nur A. titanum wird so groß. Der Berggarten hat eine Sammlung von circa 20 Amorphophallus-Arten. Sie blüht zum dritten Mal in Hannover. Zum zweiten Mal blüht in Herrenhausen eine Titanenwurz aus eigener Vermehrung.
Die jetzt blühende Pflanze ist eine Nachzucht aus eigener Handbestäubung der Titanenwurz, die 2014 im Berggarten geblüht hat. Bestäubt wurde sie damals mit Pollen einer Pflanze aus dem Botanischen Garten Kiel. Temperatur im Schauhaus: 28 bis 30 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80 bis 90 Prozent.
Die Pflanze ist mit nur sechs Jahren eine Ausnahmeerscheinung, in der Regel blühen Titanenwurze erst ab einem Alter von neun oder zehn Jahren. Titanenwurz-Knollen können ab einem Gewicht von über 10 Kilogramm erstmals blühen. Die Knolle der jetzt blühenden Pflanze wog vor dem Austrieb 23 Kilogramm. Es sind aber Knollen bekannt, die circa 150 Kilogramm wiegen.
Es handelt sich um größte Blume der Welt (NICHT die größte Blüte der Welt und NICHT der größte Blütenstand der Welt! Weiterer Superlativ: Man kann auch sagen, es ist der größte unverzweigte Blütenstand der Welt.
Der Blütenstand (die Blume) kann bis zu 3 Meter hoch werden (je nach Stärke der Knolle), das Hüllblatt des Blütenstands kann bis zu 1,5 Meter Durchmesser erreichen. Die eigentlichen Blüten sind sehr klein. Männliche und weibliche Blüten stehen am selben Blütenstand am unteren Ende des Spadix (zentraler Kolben), verdeckt von der Spatha (Hochblatt).
Der Blütenstand ist kurzlebig. Er öffnet in der Regel am Nachmittag und beginnt meist bereits am nächsten Tag zu welken. Es sollen aber auch schon Blütenstände für zwei Tage geöffnet gewesen sein. Der Blütenstand verströmt am ersten Tag einen starken Aasgeruch. Damit werden am Naturstandort Aas-Käfer und Fliegen angelockt. Auf der Suche nach einem Eiablageplatz kriechen die Insekten in die Tiefe des Blütenstands und führen die Bestäubung durch. Die Larven, die aus den Eiern schlüpfen, gehen zugrunde. Der Blütenstand ist also eine Täuschblume. Am zweiten Tag verlassen die Insekten die Blüte, wobei die Chance besteht, Pollen zu einem weiteren Blütenstand zu tragen.
Zeitgleich zur Geruchsentwicklung erhitzt sich der Spadix auf circa 36° Grad Celsius, was die Diffusion der Duftstoffe erleichtert. Jede Knolle bildet ein bis zu sechs Meter hohes Blatt, das bis zu 20 Monate lebt. Danach welkt das Blatt und die Knolle durchläuft eine Ruheperiode, bevor sie ein neues Blatt entwickelt. Oder einen Blütenstand. Zur Bildung eines Blütenstands müssen ausreichend Reservestoffe gebildet und eingelagert werden. Meist vergehen bis zu zehn Jahre, bis eine Knolle erneut blühen kann.
Die Pflege von Amorphophallus titanum ist anspruchsvoll. Es werden tropische Bedingungen und hohe Temperaturen benötigt, und die Knollen sind sehr anfällig.