Zitronen, Pomeranzen, Limonen & Co.
In den Sommermonaten finden Sie die umfangreiche Zitrus-Sammlung der Herrenhäuser Gärten im Schmuckhof des Berggartens sowie auf dem Orangenplatz des Großen Gartens. Die Pflanzen sind eine echte Offenbarung hinsichtlich der Vielfalt in Frucht und Laub, ganz zu schweigen vom herrlichen Duft der Blüten!
Buddhas Hand - Citrus medica ` ´Digitata´
Die Sammlung umfasst heute mehr als 200 Pflanzen aus der Gattung Citrus in etwa 50 Arten und Sorten.
Die botanischen Arten haben einen besonderen Stellenwert. Dazu zählen u.a. C. reticulata, die Mandarine, C. maxima, die Pampelmuse und C. medica, die Zedratzitrone , die die Eltern vieler heute beliebter Zitrusfrüchte sind. Kulinarisch interessant ist die C. hystrix, Kaffirlimette (1808 eingeführt), mit ihren in der internationalen Küche gern verwendeten aromatischen Blättern und Früchten oder die C. bergamia, die Bergamotte, die dem Earl Grey Tee ihren unvergleichlichen Geschmack verleiht.
Unter den alten Sorten finden wir die bizarre Bitterorange aus dem 16. Jhdt., C. x aurantium ‘Canaliculata‘, eine Sorte mit auffällig gerippten Früchten. Auch die panaschierte (mehrfarbige) C. x aurantium ‘Virgatum‘, die schon um 1500 erwähnt und auch „Schweizer Orange“ genannt wird, ist zu sehen. Ihre gestreiften Früchte erinnern an die Uniformen der Schweizer Garde. Dabei sind auch Bitterorangen aus dem 18. Jahrhundert wie C. x aurantium ‘Corniculata‘ mit Vorsprüngen an der Frucht, die wie Hörner aussehen, oder ‘Turcicium Salicifolia‘, die Türkische Bitterorange mit häufig gefleckten Blättern und Früchten.
Die Sorten der Zedrat-Zitronen tragen sehr unterschiedliche Früchte, zum Beispiel C. x limonimedica ‘Sanctus Domenicus‘, eine Zedrat-Zitronenvarietät des 17. Jahrhunderts mit ungewöhnlich geformten, vergleichsweise kleinen Früchten und im Gegensatz dazu C. medica ‘Maxima‘ aus dem Botanischen Garten Palermo mit extrem großen Früchten und dicker Schale. Auch die unverkennbare C. x medica ‘Digitata‘, eine gefingerte Zitronat-Zitrone aus Asien, die auch „Buddhas Hand“ genannt wird, durfte schon früher in keiner Sammlung fehlen. Ebenso die Etrag-Zitrone, die schon 600 v. Chr. bekannt war und bei religiösen Festen zum Einsatz kam.
Des Weiteren finden sich C. x aurantifolia Sorten, Limetten, in der Sammlung. Darunter sind auch die aus dem 12. Jahrhundert stammende Citrus x aurantifolia ‘Messicans‘ oder die aus Malta stammende C. x aurantifolia ‘La Valetta‘.
Auch einige Sorten der Süßorange wie C. x sinensis ‘Oblungus‘ sind schon seit Jahrhunderten in Kultur.
Und natürlich soll die Sortenvielfalt der Zitronen, Citrus x limon, erwähnt werden: Sorten wie ‘Peretta‘, ‘Sfusato di Sorrento‘, ‘Foliis Variegatis‘ oder die Hybride C. x volkameriana, vermutlich eine Kreuzung aus Bitterorange und Zitrone, mit ihren runden gelb-orangefarbenen Früchten, bei der Schale und Frucht gleichermaßen aromatisch sind. Es gibt viel zu entdecken, dazu laden die Sommermonate ein.
Lange Tradition
Um 1720 war der Zitruspflanzenbestand am Hof in Herrenhausen bereits auf über 600 Stück angewachsen. Unter dem 1734 als Orangeriefachmann engagierten Georg Ernst Tatter (1689-1755) dürfte der Bestand noch gewachsen sein, vor allem hinsichtlich der Vielfalt an Arten und Sorten. Nachdem diese Zitrusvielfalt im 20. Jahrhundert verloren gegangen war, haben die Herrenhäuser Gärten seit 2010 wieder eine Sammlung aufgebaut. Darunter befinden sich viele Raritäten, die schon von Tatter kultiviert wurden.
Was sich so unkompliziert anhört, war laut Gartenmeister Nandino Baillot eine große Herausforderung. Historische Sorten fanden sich unter anderem in Italien beim Spezialisten Tintori. Hier erwarb man Mutterpflanzen für die Gewinnung von Edelreisern. Weitere Quellen waren andere Orangerien und private Sammler. 2011 bis 2013 testete das verantwortliche Gartenteam die Veredelung auf Citrus aurantium und Poncirus trifoliata-Stämmen. 2015 sind dann alle vorhandenen C. aurantium-Stämme veredelt worden.